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Der Biber im Main-Kinzig-Kreis
Der Biber erlebt zur Zeit eine Renaissance und gilt - nicht nur in Hessen - als Indikator für naturnahe Auen- und Flusslandschaften. Anlässlich des „Internationalen Jahres der biologischen Vielfalt“ setzt sich der Arbeitskreis Main-Kinzig ganz besonders für gefährdete Arten im Main-Kinzig-Kreis ein, so auch für den Biber. Dies wird u.a. mit der Herausgabe eines neuen Faltblattes unterstrichen.
Zwischenzeitlich liegen uns die neuestens Zahlen der Biber-Kartierung in Hessen aus dem letzten Jahr vor. Erfreulich: Auch außerhalb des Main-Kinzig-Kreises, dem Ausgangspunkt und Verbreitungszentrum des hessischen Bibervorkommens, konnten wieder einige neue Reviere festgestellt werden. Trotzdem finden sich nach wie vor relativ wenige Biber-Vorkommen in den übrigen Landkreisen, wodurch der Main-Kinzig-Kreis seine große Bedeutung für den Arterhalt und Schutz des Bibers in Hessen behält.
Hintergrund: Seit dem 19. Jahrhundert galten die hessischen Biber als ausge- rottet, bis die HGON sie im hessischen Spessart wieder ansiedelte. 1987/88 setzte man an Sinn und Jossa 18 Elbe-Biber aus. Die Ansiedelung glückte sofort!
Um ein erfolgreiches Bibermanagement zu praktizieren, kommt es auf eine gründliche und vor allem flächendeckende Erfassung aller Biberreviere an. Die Erfassung des Biberbestandes und die Kartierung der Reviere führen in Hessen ehrenamtliche Biberbetreuer durch. Zu ihren Aufgaben zählt außerdem, die Reviere in den betreffenden Fließgewässerabschnitten kontinuierlich zu beo- bachten.
Nur durch ein regelmäßiges und langjähriges Monitoring können belastbare Aussagen über die Verbreitung, die Bestandsentwicklung und den Erhaltungs- zustand der Populationen getroffen werden. Und nur so können – wenn nötig - Maßnahmen zur Habitatverbesserung entlang der vom Biber besiedelten Bachläufe und kleineren Flüsse zielgenau formuliert und umgesetzt werden.
Das Forstamt Schlüchtern bündelt die Ergebnisse der ehrenamtlichen Kartierer. Einmal jährlich gibt das Regierungspräsidium Darmstadt einen Bericht mit Datenblättern zu allen hessischen Biberrevieren heraus.
Zu den Ergebnissen im Einzelnen: Heute finden sich Biberreviere nicht nur im Main-Kinzig-Kreis, sondern auch in den Landkreisen Fulda (7), Hersfeld-Rothenburg (1), in der Wetterau (6) und im Odenwaldkreis (1). 2009 registrierte man erstmals auch Biber-Aktivitäten in den Landkreisen Darmstadt - Dieburg (3) und Gießen (1). Insgesamt erfasste man hessenweit im vergangenen Jahr 51 Reviere. Das sind 14 Reviere mehr als noch im Jahre 2008.
Im Main-Kinzig-Kreis leben derzeit - in 40 Revieren - etwa 132 Biber (rechnerisch legt man 3,3 Biber / Revier zugrunde). Während die Kartierer 2009 vier neue Reviere an Kinzig und Jossa nachwiesen, mussten im gleichen Zeitraum vier verlassende Reviere registriert werden. Die Gründe sind – soweit bekannt - verschieden: Biber sind zunehmend Opfer des Straßenverkehrs oder wandern wegen schlechter Nahrungsgründe ab. Immer öfter werden aber auch ihre Dämme und Burgen mutwillig zerstört.
In ganz Hessen leben 195 Tiere in 51 Revieren. Diese Zahlen zeigen unsere besondere Verantwortung im Main-Kinzig-Kreis. Und deshalb ist der Arbeitskreis Main-Kinzig der HGON ständig im Einsatz für den Biber.
Unser Ziel ist es, dem Biber Lebensräume zu bieten. Denn: In einem eigens für den Biber gesicherten Lebensraum stellen seine landschaftsgestaltenden Aktivitäten kein Konfliktpotential dar. Für uns ist dies im „Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt“ ein ganz wichtiger Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Wir setzen uns deshalb ein für:
- Mehr Akzeptanz für eine bedrohte Säugetierart durch Umweltbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Exkursionen und Fachvorträge,
- Uferrandstreifen an Fließgewässern (mind. 10 bis 15 m breit),
- eine Vielzahl biotopverbessernder Maßnahmen,
- Konfliktmanagement und Konfliktvermeidung,
- Ankauf von Flächen.
Wo der Biber als Landschaftsarchitekt tätig ist, entstehen viele Lebensräume, die anderen Tier- und Pflanzenarten zu gute kommen. Ihre Zahl steigt dadurch beträchtlich.
Es warten viele Aufgaben auf uns. Diese fordern unseren ganzen Einsatz!
Wir möchten und müssen unser Engagement in den nächsten Jahren fortsetzen.
Helfen Sie mit, den Biber in unserer heimatlichen Landschaft zu erhalten. Unterstützen Sie uns deshalb mit Ihrer Spende! Vielen Dank!
Raiffeisenbank Rodenbach | BLZ 506 636 99 | Konto 87130 | Stichwort: Biber
Biberpaten gesucht!
Damenbesuch im Biberrevier: Irmgard Schulheis (links) mit Silke Lautenschläger (rechts) - eingerahmt von Mitarbeitern HessenForst
Silke Lautenschläger (rechts) in Breunings
400 Biber leben im Spessart
Die hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger würdigte am 10. März 2010 in Breunings die Wiederansiedlung des Bibers vor mehr als 20 Jahren durch die HGON als erfolgreichstes hessisches Artenschutzprojekt.
Gelnhäuser Neue Zeitung, 11.03.2010
Lebensweise und Biologie
Der Biber ist das größte europäische Nagetier. Er ist das einzige Tier, das seinen Lebensraum selbst gestaltet, Burgen und Dämme baut und Wasser staut.
Biber leben überwiegend im Wasser. Ihre Körperlänge beträgt 80 bis 120 cm, ihr Gewicht bis zu 30 kg. Biber können etwa 20 Jahre alt werden. Ihre Schneidezähne sind groß, scharf und ständig nachwachsend! Der Biber hat kleine Vorderpfoten, aber große Hinterfüße mit Schwimmhäuten, die als Paddel dienen. Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden.
Biber machen keinen Winterschlaf. Das besonders dichte Fell des Bibers (viele 1.000 Haare/cm²) isoliert den Körper im eisigen Wasser. Am Bauch ist das Fell etwa doppelt so dicht wie auf dem Rücken. Der breite abgeplattete Schwanz (Kelle genannt) besteht v.a. aus Fettgewebe, ist mit Schuppen besetzt und dient beim Schwimmen als Ruder.
Der Biber ist ein reiner Vegetarier. In der Zeit, wenn es in der Natur nichts Frisches gibt, sind Biber auf Baum- und Astrinden angewiesen. In der warmen Jahreszeit frisst er Grünzeug aller Art (auch Disteln, Brennnesseln, Schilf). Nur im Herbst und Winter fällt der Biber Bäume - am Gewässer meist Weiden - um nicht zu verhungern. Die Rinde dient als Wintervorrat.
Biber können lange tauchen. Dazu legen sie die Ohren an den Kopf, schließen die Nasenlöcher und über die Augen zieht sich eine Haut (Nickhaut), durch die sie unter Wasser gut sehen. Als Säugetiere haben Biber eine Lunge und müssen zwischenÂdurch Luft holen.
Der Lebensraum des Bibers ist ein Mosaik aus fließenden und stehenden Gewässern, Auenwald sowie dichter Kraut- und Weichholzvegetation. Wichtig ist dem Biber eine Wassertiefe von 0,50 – 0,80 cm.
Biber regulieren den Wasserstand, in dem sie Dämme aus Ästen und Zweigen (70 cm – 1 m hoch) bauen und mit Schlamm und Pflanzenteilen abdichten. Der Biberdamm ein Kunstwerk aus Holz! Der Biber baut ebenso Burgen. Der Eingang liegt immer unter Wasser, um bei Gefahr schnell abtauchen zu können. Das Gewässer friert nicht bis zum Grund zu und auch im Winter erreicht der Biber schwimmend seine Nahrungsvorräte.
 Ganzjährig bieten wir Exkursionen zum Biber für Gruppen und Schulklassen an.
Naturerlebnisse
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