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Schwimmkampen auf dem Ruhlsee: Haubentaucher und Co. hocherfreut
Eine Kooperation aus der Stadt Langenselbold, dem Naturschutz und der Straßenverkehrsverwaltung machte es 2003 möglich: Endlich Brutplätze für Schwimmvögel im Naturschutzgebiet „Kinzigaue von Langenselbold“!
Als in den Jahren 1976/77 der Ruhlsee als Bodenentnahmestelle für den Bau der A 45 entstand, ahnte niemand, dass dieser Baggersee zum wohl wichtigsten Vogel-Rastplatz im Main-Kinzig-Kreis werden würde. Die alljährlichen Wasservogelzählungen vom International Waterfowl and Wetlands Research Bureau (IWRB) belegen immer wieder die ornithologische Bedeutung des Ruhlsees, der inmitten des Kinzigtals zum „Trittstein“ einer traditionellen Vogelzugroute wurde. Speziell zur Zugzeit beherbergt das Gebiet eine reichhaltige Vogelwelt, darunter viele seltene und gefährdete Arten. Seit 1980 ist der Ruhlsee nebst angrenzendem Grünland und Auwald deshalb Naturschutzgebiet. Von der Hessischen Landesregierung wurde er sogar als FFH-Gebiet, d.h. als besonders wertvoller Lebensraum innerhalb der Europäischen Union, nach Brüssel gemeldet.
Aber etwas sehr wichtiges fehlte bisher: Brutplätze. Bis heute ist das Gewässer als Brutgebiet für Vögel kaum von Bedeutung. Die einzige Ausnahme bildet der Haubentaucher, der im Schnitt mit ein bis zwei Brutpaaren pro Jahr ausschließlich auf so genannten „Schwimmkampen“ im Ruhlsee sein Nest anlegt.
Das nahmen wir zum Anlass, um mit Unterstützung der ZGF - der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt - die Erneuerung bzw. Reparatur der am Ruhlseeufer angelandeten künstlichen Inseln zu organisieren. Da natürliche Rast- und Rückzugsmöglichkeiten wie beispielsweise Inseln, Rohr- und Schilfgürtel, Bäume und Sträucher in Gewässernähe nicht existieren, erhoffen wir uns, dass die Schwimmkampen, die alle Vorzüge und Eigenschaften einer natürlichen Insel bieten, die fehlenden Brutplätze ersetzen werden.
Die Stadt Langenselbold als Eigentümerin des Sees gab ohne Zögern ihr Einverständnis. Auch ein Financier konnte gefunden werden: Im Rahmen des Kompensationskonzeptes Kinzig (KOKOKI) übernahm das Amt für Straßen- und Verkehrswesen Gelnhausen die gesamten Kosten.
Die Schwimmkampen selbst fertigte eine Spezialfirma aus dem norddeutschen Tangstedt, die bereits vor 15 Jahren auf Initiative der HGON die ersten Schwimmkampen auf dem Ruhlsee ausbrachte. In Einzelteilen geliefert, bauten die Mitarbeiter der Bestmann Green Systems GmbH die „schwimmenden Inseln“ in wenigen Tagen am Seeufer zusammen. Vor dem Stapellauf bepflanzte man die künstlichen Biotope mit erdfrei vorgezogenen Pflanzengesellschaften, die ausgerollt und mit einem Netz verbunden in direktem Kontakt zum Wasser stehen. Die Kopplung der Einzelelemente zu insgesamt vier Inseln erfolgte per Schlauchboot im Wasser, da diese schwimmend am leichtesten zu hantieren sind.
Den Hauptanteil der durchziehenden Vögel bilden am Ruhlsee Gänse- und Entenvögel, Limikolen, Möwen und viele andere, darunter: Haubentaucher, Kormorane, Pfeifenten, Schnatterenten, Krickenten, Knäkenten, Tafelenten, Reiherenten, Teich- und Bleßrallen. Es bleibt zu hoffen, dass zumindest einige von ihnen in den nächsten Jahren am Ruhlsee ihre Jungen aufziehen werden.
Erste Erfolge: Mindestens 3 brütende Haubentaucherpärchen sowie etliche Enten auf den Schwimmkampen im ersten Jahr!
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