Beweidungsprojekt

Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren will.

Gustav Heinemann (* 23.07.1899, † 07.07.1976)



Traditionsreiche Nutzungsart mit großem Effekt

Bis vor wenigen Tausend Jahren bevölkerten große Herden von Pflanzenfressern auch Europa und Asien. Auerochsen, Wisente und Wildpferde verhinderten, ähnlich wie heute noch in Teilen Afrikas Gnus, Zebras und Kaffernbüffel, die flächendeckende Ausbreitung von Wald, indem sie die Gehölze verbissen. Nur im Schutz von Dornengestrüpp und an für die Tiere unzugänglichen Stellen konnten auch Bäume wachsen. Die Schutz bietenden Hecken breiteten sich über ihre Wurzeln aus und boten so mehr Bäumen die Chance zu wachsen und ein Wald konnte entstehen. Dieser raubte in seinem Inneren den Hecken das nötige Licht, so dass sie abstarben. Für einige hundert Jahre herrschte dann Wald, so lange bis im inneren die ältesten Bäume aufgrund ihres Alters ebenfalls abstarben und wieder mehr Sonnenlicht den Boden erreichte, Gräser wuchsen und erneut eine Wiese entstehen konnte. So „waberte“ im Laufe von Jahrtausenden der Wald über die Landschaft und es herrschte eine immer währende Dynamik in der sich verschieden Biotoptypen gegenseitig ablösten.

Mit dem langsamen Aussterben der großen Wildtiere in Europa übernahmen deren domestizierten Nachkommen die ökologische Funktion ihrer Vorfahren. Durch Weidehaltung – auch im Wald – wurden große Teile der Landschaft baumfrei und der Wald sehr lückig gehalten. Sehr unterschiedliche Biotope wechselten sich zum Teil auf engem Raum ab und bildeten ein kleinteiliges Mosaik. Die Landschaft bot so weiter einer Vielzahl von Tier und Pflanzenarten mit ganz unterschiedlichen Lebensraumansprüchen eine Heimat. Die Artenvielfalt war auf gleicher Fläche wesentlich höher, als in unserer „geordneten“ Landschaft, in der genau festgelegt ist, wo Wald und wo Feld und Wiese sein dürfen.

Weidetiere für mehr Ursprünglichkeit

Eine begrenzte Wiederannäherung an diese Situation ist das Ziel des Beweidungsprojets im Naturschutzgebiet (NSG) „Hässeler Weiher von Neuenhaßlau“ und dessen Umfeld. Hier sollen Heckrinder die Rolle des ausgestorbenen Auerochsen übernehmen und Koniks (polnisch „Pferdchen“) die des ebenfalls ausgestorbenen Tarpans, des ehemals in Europa und Asien lebenden Wildpferdes. Hierbei wird die Anzahl der Tiere pro Flächeneinheit so gering gehalten, dass das auf der Weide zur Verfügung stehende Futter im Sommer zur zum Teil gefressen wird und somit noch ausreichend Nahrung für den Winter auf der Fläche verbleibt. Selbstverständlich wird den Tiere in Notzeiten zusätzlich Heu angeboten.
Für die Entwicklung der Dynamik wie in prähistorischer Zeit ist die Fläche von ca. 20 ha zwar viel zu klein, jedoch können die Tiere für ein Biotopmosaik sorgen und große Teile des Geländes von Gehölzen frei halten. So sollen sich auch auf den Sandflächen entlang der Bahnlinie wieder die ehemals dort vorhandenen Silbergräser entwickeln können.
Ein weiteres Ziel der Beweidung ist das Zurückdrängen von nicht heimischen Pflanzen, sogenannten Neophyten. Diese kommen oft in sehr hohen dichten vor und verdrängen so die ursprüngliche Vegetation. Im NSG „Hässeler Weiher“ ist dies vor allem das Indische Springkraut.

Sie können unser Beweidungsprojekt auch als Teilnehmer der hessischen Umweltlotterie GENAU auswählen und dadurch fördern!